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Tuesday, 15. September 2026
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Regional MV

475 Jahre Rats-Apotheke Greifswald – und trotzdem bangt man um die Zukunft

Die Rats-Apotheke in Greifswald feiert ihr 475-jähriges Bestehen – doch Inhaberin Hendrikje Schweizer nutzt das Jubiläum für einen deutlichen Weckruf: Jährlich schließen bundesweit rund 500 Apotheken, weil wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Bürokratie den Betrieb immer schwerer machen. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Wege ohnehin lang sind und der öffentliche Nahverkehr viele Menschen im Stich lässt, trifft jede Apothekenschaft die Schwächsten besonders hart. Was es jetzt braucht, sind konkrete politische Entscheidungen zu Honorierung, Bürokratieabbau und Versorgungssicherheit in der Fläche – bevor das nächste Jubiläum in einem leer stehenden Ladenzimmer gefeiert wird.

Apotheken sind keine optionalen Dienstleistungen, sondern Teil der Grundversorgung – besonders für ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen ohne Auto auf dem Land. Wenn Apotheken schließen, fehlt nicht nur ein Verkaufsort für Medikamente, sondern auch Beratung, Notversorgung und ein niedrigschwelliger Gesundheitskontakt. Das ist ein strukturelles Problem, das in Mecklenburg-Vorpommern besonders scharf spürbar ist – weil die Wege hier ohnehin lang sind und öffentlicher Nahverkehr kaum eine Alternative bietet.

Das Apothekensterben betrifft MV überproportional: Dünn besiedelte Regionen wie Ludwigslust-Parchim oder Vorpommern-Greifswald verlieren bei jeder Schließung ein Stück Nahversorgung, das kaum zu ersetzen ist. Die Bundespolitik hat zwar Reformankündigungen gemacht, konkrete Entlastungen für kleine Apothekenbetriebe sind jedoch ausgeblieben. Kommunen und Landkreise müssen jetzt selbst aktiv werden und prüfen, wie sie bestehende Apotheken strukturell stützen können – bevor weitere Lücken entstehen, die niemand mehr schließt.