Direkt zum Inhalt
minutentakt.
Monday, 22. June 2026
Ticker
Demokratie & Zivilgesellschaft

50.000 Einbürgerungen: Deutschland macht NS-Unrecht rückgängig

Seit 2021 haben über 50.000 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit durch eine Sonderregelung zurückerhalten, die Nachkommen von NS-Verfolgten zugutekommt, denen die Staatsbürgerschaft einst entzogen wurde. Diese Zahlen belegen, dass historische Wiedergutmachung durch konkretes Recht möglich ist – nicht nur als Symbol, sondern mit echten Konsequenzen. Die anhaltend hohe Nachfrage zeigt zugleich, dass viele Berechtigte noch immer nicht von dieser Möglichkeit wissen. Bessere Aufklärung und niedrigschwellige Information könnten dazu beitragen, dass dieses Recht alle erreicht, die Anspruch darauf haben.

Wiedergutmachung durch Staatsbürgerschaft ist mehr als Symbolpolitik – sie erkennt an, dass NS-Unrecht konkrete rechtliche Folgen hatte, die bis heute nachwirken. Dieses Instrument zeigt, dass ein demokratischer Staat aktiv Verantwortung für historisches Unrecht übernehmen kann, statt es nur zu benennen. Für eine offene Gesellschaft ist das ein wichtiges Signal: Zugehörigkeit kann zurückgegeben werden.

Die hohen Einbürgerungszahlen werfen eine wichtige Folgefrage auf: Wie viele Berechtigte kennen ihre Möglichkeiten noch nicht – besonders in Ländern mit schwachem Zugang zu deutschen Behörden? Deutschland ist gefordert, die Informationswege aktiv auszubauen, statt auf Eigeninitiative der Betroffenen zu warten. Zugleich bleibt zu diskutieren, ob das Verfahren wirklich barrierefrei ist oder ob bürokratische Hürden manche Nachkommen faktisch ausschließen.