60 Jahre Haft für syrischen Foltergefängnisleiter in den USA
Wenn staatliche Folter vor einem ausländischen Gericht bestraft wird, stärkt das den universellen Geltungsanspruch der Menschenrechte – und gibt Opfern ein Stück Würde zurück, die ihnen der Staat genommen hat. Das Verfahren zeigt, dass Straflosigkeit für Staatsverbrechen nicht zwangsläufig ewig währt, was für Überlebende autoritärer Systeme weltweit von enormer Bedeutung ist. Für eine offene Gesellschaft ist es wichtig, dass solche Urteile nicht als Einzelfälle versanden, sondern als Teil einer systematischen Rechenschaftspflicht verstanden werden.
Das Urteil setzt einen Präzedenzfall für die Strafverfolgung von Folterbeteiligten außerhalb internationaler Sondergerichte und zeigt, was nationale Rechtssysteme leisten können, wenn der politische Wille vorhanden ist. Es stellt sich die Frage, welche anderen Verantwortlichen des Assad-Regimes noch in westlichen Ländern leben und bislang unbehelligt geblieben sind. Für Demokratien weltweit bedeutet dieses Urteil: Wer Menschen foltern lässt, kann sich nicht darauf verlassen, dass Grenzen dauerhaft schützen.