8. Mai als Feiertag in MV: Erinnerung oder Wirtschaftsrisiko?
Ein Feiertag am 8. Mai wäre nicht nur ein freier Tag, sondern ein öffentliches Bekenntnis zur demokratischen Erinnerungskultur. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo rechtsextreme Einstellungen besonders verbreitet sind, hat die kollektive Auseinandersetzung mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs demokratiestärkende Wirkung. Das Argument der volkswirtschaftlichen Verluste verschleiert, dass Erinnerungsarbeit eine gesellschaftliche Investition ist – nicht nur ein Kostenfaktor.
Die Debatte ist typisch für MV: Eine inhaltlich wichtige Forderung wird sofort mit Wirtschaftsargumenten abgebügelt, ohne die demokratiepolitische Dimension ernsthaft zu diskutieren. Dabei wäre gerade dieser Feiertag eine Chance, ostdeutsche Erfahrungen sichtbar zu machen – denn die Befreiung vom Nationalsozialismus wurde in der DDR offiziell begangen, auch wenn das Gedenken ideologisch überformt war. Diese vielschichtige Geschichte fehlt in der aktuellen Debatte fast vollständig.