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Monday, 22. June 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

8. Mai als Feiertag in MV: Erinnerung oder Wirtschaftsrisiko?

In Mecklenburg-Vorpommern fordert die Linke, den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag einzuführen – als öffentliches Bekenntnis zur Befreiung vom Nationalsozialismus. CDU und Wirtschaftsverbände lehnen dies mit Verweis auf volkswirtschaftliche Kosten ab. Die Debatte berührt eine grundlegende Frage: Welchen Stellenwert hat kollektive Erinnerung gegenüber ökonomischen Interessen? Gerade in Ostdeutschland, wo der 8. Mai jahrzehntelang offiziell als Tag der Befreiung begangen wurde, hätte ein solcher Feiertag eine besondere historische und gesellschaftliche Dimension.

Ein Feiertag am 8. Mai wäre nicht nur ein freier Tag, sondern ein öffentliches Bekenntnis zur demokratischen Erinnerungskultur. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo rechtsextreme Einstellungen besonders verbreitet sind, hat die kollektive Auseinandersetzung mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs demokratiestärkende Wirkung. Das Argument der volkswirtschaftlichen Verluste verschleiert, dass Erinnerungsarbeit eine gesellschaftliche Investition ist – nicht nur ein Kostenfaktor.

Die Debatte ist typisch für MV: Eine inhaltlich wichtige Forderung wird sofort mit Wirtschaftsargumenten abgebügelt, ohne die demokratiepolitische Dimension ernsthaft zu diskutieren. Dabei wäre gerade dieser Feiertag eine Chance, ostdeutsche Erfahrungen sichtbar zu machen – denn die Befreiung vom Nationalsozialismus wurde in der DDR offiziell begangen, auch wenn das Gedenken ideologisch überformt war. Diese vielschichtige Geschichte fehlt in der aktuellen Debatte fast vollständig.