Direkt zum Inhalt
minutentakt.
Tuesday, 15. September 2026
Ticker
Demokratie & Zivilgesellschaft

Bafög-Erhöhung kommt – aber ein halbes Jahr später als geplant

Die geplante Bafög-Erhöhung kommt – aber ein halbes Jahr später als versprochen. Die Verzögerung trifft besonders Studierende, die auf diese Förderung existenziell angewiesen sind, und schlägt an ostdeutschen Hochschulen überdurchschnittlich hart durch. Die Einigung zeigt, dass politische Versprechen an Studierende immer noch zu den Verhandlungsmassen gehören, die zuerst geopfert werden. Für eine gerechte Bildungspolitik braucht es verlässliche Zeitpläne und keine nachträglichen Abstriche auf Kosten derer ohne Lobby.

Bildung ist keine Frage des Elternhauses – oder sollte es zumindest nicht sein. Bafög ist das wichtigste Instrument, das Studierende aus einkommensschwachen Familien überhaupt erst an die Hochschule bringt. Wer politische Versprechen auf Entlastung um Monate verschiebt, verschiebt auch soziale Aufstiegschancen – und das trifft Ostdeutschland, wo Vermögen und Einkommen strukturell niedriger sind, besonders hart.

Rostock und Greifswald sind Hochschulstädte mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Bafög-Empfangenden. Jede Verzögerung bei der Erhöhung verlängert reale Engpässe: Mietkosten, Lebensmittelpreise, Nebenjobs statt Lernzeit. Die Frage ist nicht nur, ob die Erhöhung kommt, sondern ob das Bafög-System grundsätzlich reformtauglich ist – oder ob es weiter hinter der Realität hinterherhinkt.