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Monday, 22. June 2026
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Regional MV

Bürgermeister aus Loissin: Dialyse nachts, Gemeinde tagsüber

Detlef Sadewasser hat über elf Jahre lang das Ehrenamt als Ortsbürgermeister in Loissin ausgeübt – parallel zu regelmäßigen Dialysebehandlungen, die ihm kaum Luft ließen. Sein Beispiel macht sichtbar, auf welch schmalen Schultern kommunale Selbstverwaltung im ländlichen Raum oft ruht: Menschen, die trotz eigener schwerer Belastungen Verantwortung für ihre Gemeinde übernehmen. Eine erfolgreiche Nierentransplantation hat ihm inzwischen mehr Spielraum zurückgegeben. Seine Geschichte sollte nicht nur Respekt auslösen, sondern auch die Frage aufwerfen, wie Kommunen künftig besser dafür sorgen, dass Ehrenamtliche nicht allein gelassen werden.

Ehrenamtliche Kommunalpolitik trägt den ländlichen Raum in Mecklenburg-Vorpommern – oft unsichtbar und ohne angemessene Unterstützung. Diese Geschichte macht deutlich, dass hinter kleinen Gemeinden oft Menschen stehen, die ihre Gesundheit für das Gemeinwohl einsetzen. Das verdient mehr als Applaus: Es braucht strukturelle Entlastung für Ehrenamtliche, bessere Vertretungsregelungen und eine ehrliche Debatte darüber, wie lange Menschen das ohne Unterstützung durchhalten.

Loissin hat vielleicht 300 Einwohner – aber die Frage, wer dort das Amt des Bürgermeisters übernimmt, ist keine kleine Frage. Wenn solche Posten nur noch von Menschen besetzt werden, die buchstäblich alles geben, läuft etwas schief im System. Für Mecklenburg-Vorpommern mit seinen vielen kleinen Gemeinden und dem demografischen Wandel ist das ein strukturelles Problem, das über Einzelschicksale hinausgeht.