Cottbus: CSD unter Polizeischutz nach rechtsextremen Angriffen
Wenn Menschen für ihre Identität auf dem Weg zum Supermarkt angegriffen werden, ist das kein Randproblem – das ist eine Gefahr für die offene Gesellschaft insgesamt. Öffentliche Räume, in denen queere Sichtbarkeit nur unter Polizeischutz möglich ist, sind Räume, in denen die Demokratie Risse zeigt. Wer heute schweigt, macht es einfacher, als nächstes andere Gruppen aus dem öffentlichen Leben zu drängen.
Der CSD in Cottbus ist kein Sonderfall, er steht exemplarisch für die Situation queerer Menschen in vielen ostdeutschen Mittelstädten. Die Frage, ob Zivilgesellschaft sich Raum nehmen darf oder ihn erkämpfen muss, stellt sich in Schwerin, Neubrandenburg und Greifswald genauso. Kommunen, die Vielfalt schützen wollen, brauchen mehr als Polizeipräsenz: Sie brauchen dauerhafte Strukturen – Beratungsstellen, Netzwerke, politischen Rückhalt. Der Mut der Cottbuser Organisatoren zeigt, wie viel Kraft es kostet, Grundrechte im Alltag durchzusetzen.