Doppelpass: Fast alle Neubürger behalten alte Staatsbürgerschaft
Die Akzeptanz der doppelten Staatsbürgerschaft spiegelt eine reifere Vorstellung von Zugehörigkeit wider: Menschen müssen sich nicht mehr zwischen zwei Identitäten entscheiden, um vollständige Bürgerinnen und Bürger zu sein. Das stärkt die demokratische Teilhabe von Millionen Menschen, die bisher aus Angst vor dem Verlust ihrer Herkunftsrechte auf die Einbürgerung verzichtet haben. Eine Gesellschaft, die Mehrfachidentitäten rechtlich anerkennt, kommt dem Versprechen gleicher Rechte für alle einen wichtigen Schritt näher.
Die Reform zeigt, dass Rechtsstaat und Zugehörigkeitspolitik direkt zusammenhängen: Wer eingebürgert ist, kann wählen, sich kandidieren lassen und politisch mitgestalten. Besonders in Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, wo die Debatte über Migration oft von Ausgrenzung geprägt ist, verdeutlichen solche Zahlen, dass Eingewanderte aktiv Teil der Gesellschaft werden wollen. Die Frage ist nun, wie Kommunen und Behörden die Einbürgerungsverfahren so gestalten, dass sie einladend statt abschreckend wirken.