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Thursday, 17. September 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Ex-Obdachloser kandidiert für Berliner Abgeordnetenhaus

Thomas Lindlmair kandidiert im Berliner Wahlkreis Neukölln für das Abgeordnetenhaus und bringt dabei etwas mit, das in der Politik selten ist: eigene Erfahrung mit Wohnungslosigkeit. Sein Schwerpunktthema Wohnen ist nicht abstrakte Sozialpolitik, sondern gelebte Realität. Seine Kandidatur zeigt, dass demokratische Teilhabe auch für Menschen funktionieren kann, die das System bisher vor allem von unten erlebt haben. Das ist ein Modell, das auch für Mecklenburg-Vorpommern relevant ist, wo Wohnungsnot auf dem Land und in Kleinstädten oft unsichtbar bleibt.

Demokratie lebt davon, dass Menschen aller Lebenslagen politisch teilhaben können – nicht nur jene, die Anzug und Studienabschluss vorweisen. Eine Kandidatur wie diese zeigt, dass gelebte Erfahrung von Armut und Ausgrenzung legitimes politisches Kapital ist. Für eine offene Gesellschaft ist entscheidend, dass Parlamente die Realität möglichst vieler Menschen widerspiegeln – auch und gerade jener, die strukturell marginalisiert werden.

Diese Kandidatur ist ein Zeichen dafür, dass sich die politische Repräsentation in Deutschland langsam wandeln kann. Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Schicksal, sondern ein strukturelles Problem – und genau solche Perspektiven fehlen in Parlamenten. Die Frage ist nicht nur, ob Lindlmair einzieht, sondern ob ein Parlament bereit ist, diese Erfahrung als Expertise anzuerkennen. Für Kommunen in MV, wo Armut im ländlichen Raum häufig unsichtbar bleibt, ist dieses Signal übertragbar.