Ex-Obdachloser kandidiert für Berliner Abgeordnetenhaus
Demokratie lebt davon, dass Menschen aller Lebenslagen politisch teilhaben können – nicht nur jene, die Anzug und Studienabschluss vorweisen. Eine Kandidatur wie diese zeigt, dass gelebte Erfahrung von Armut und Ausgrenzung legitimes politisches Kapital ist. Für eine offene Gesellschaft ist entscheidend, dass Parlamente die Realität möglichst vieler Menschen widerspiegeln – auch und gerade jener, die strukturell marginalisiert werden.
Diese Kandidatur ist ein Zeichen dafür, dass sich die politische Repräsentation in Deutschland langsam wandeln kann. Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Schicksal, sondern ein strukturelles Problem – und genau solche Perspektiven fehlen in Parlamenten. Die Frage ist nicht nur, ob Lindlmair einzieht, sondern ob ein Parlament bereit ist, diese Erfahrung als Expertise anzuerkennen. Für Kommunen in MV, wo Armut im ländlichen Raum häufig unsichtbar bleibt, ist dieses Signal übertragbar.