Wissenschaft & Gesundheit
Flexible Arbeitszeiten: Droht Frauen mehr Care-Belastung?
Die geplante Umstellung von täglichen auf wöchentliche Höchstarbeitszeiten könnte bestehende Ungleichheiten bei der Verteilung von Sorgearbeit verstärken, da Frauen bundesweit noch immer den überwiegenden Teil unbezahlter Pflege- und Betreuungsarbeit leisten. Wissenschaftlerinnen und Gewerkschaften fordern daher begleitende Regelungen, die Care-Arbeit strukturell anerkennen und eine gerechtere Aufteilung fördern. Für Mecklenburg-Vorpommern, wo ländliche Infrastruktur und Fachkräftemangel ohnehin besondere Herausforderungen schaffen, wäre eine sorgfältige Ausgestaltung der Reform besonders wichtig. Ohne solche Schutzmaßnahmen besteht die Gefahr, dass flexible Arbeitszeiten zwar Arbeitgebern nützen, aber die Doppelbelastung vieler Frauen weiter erhöhen.
Unbezahlte Sorgearbeit ist das unsichtbare Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts – ihre ungleiche Verteilung schwächt wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Gleichstellung von Frauen strukturell. Arbeitszeitreformen, die diese Realität ignorieren, riskieren bestehende Ungleichheiten zu verfestigen statt zu überwinden.
Soziologische Studien und Gewerkschaftsdaten zeigen klar: Zeitflexibilität im Beruf entlastet nur dann, wenn auch Care-Arbeit im Haushalt gerecht aufgeteilt ist. Die Debatte eröffnet die Chance, Arbeitszeitgesetz und Familienpolitik endlich zusammenzudenken. Modelle wie bezahlte Freistellungen für Care-Zeiten oder verbindliche Berichte zu Sorgearbeit in Tarifverträgen könnten konkrete Lösungsansätze sein.