Forscherin: Menschenrechte beginnen beim Bus und der Wohnung
O'Hagans Ansatz macht deutlich, dass Haushalts- und Planungsentscheidungen keine neutralen Verwaltungsakte sind, sondern über Teilhabe und Ausschluss entscheiden. Wer Menschenrechte in Budgetprozesse einbettet, schafft Rechenschaftspflicht und macht unsichtbare Ungleichheiten sichtbar. Das stärkt demokratische Strukturen gerade dort, wo formale Gleichheit existiert, aber gelebte Ungleichheit bestehen bleibt.
Gender-Budgeting ist in Deutschland und speziell in Ostdeutschland kaum verankert, obwohl der ländliche Raum in MV genau die Strukturprobleme zeigt, die O'Hagan beschreibt: weite Wege zu Krankenhäusern, ausgedünnter ÖPNV, fehlende Pflegeplätze. Kommunen in Nordwestmecklenburg oder Ludwigslust-Parchim könnten von solchen Analyseinstrumenten direkt profitieren, wenn sie lokale Haushaltsentscheidungen auf ihre Wirkung für verschiedene Bevölkerungsgruppen überprüfen würden.