Forscherin: Politik nutzt Dauerangst als Machtinstrument
Wer versteht, wie Angst politisch instrumentalisiert wird, kann sich besser dagegen schützen – das stärkt demokratische Urteilsfähigkeit und schwächt Polarisierungsstrategien. Gerade in Gesellschaften, die mehrere Krisennarrative gleichzeitig verarbeiten müssen, ist dieses Wissen eine Form von Bürgerermächtigung. Medienkompetenz, die früh in Schulen vermittelt wird, kann langfristig die Resilienz demokratischer Öffentlichkeiten erhöhen.
Das Thema trifft Ostdeutschland besonders hart: Wer Propaganda aus DDR-Zeiten kennt und dann nach der Wende erlebt hat, wie neue Ängste – Deindustrialisierung, Bedeutungsverlust, Überfremdungsdebatte – politisch bewirtschaftet wurden, versteht, wie wirksam dieses Muster ist. In MV und anderen ostdeutschen Ländern hat die AfD genau diese Bedrohungsatmosphäre genutzt, um stark zu werden. Forschung wie diese liefert Werkzeuge, um solche Mechanismen zu benennen und zu durchbrechen.