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Tuesday, 23. June 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Frankreich schafft Sklavengesetz "Code Noir" formell ab

Frankreich hat den 'Code Noir', das Kolonialgesetz aus dem 17. Jahrhundert, das die Sklaverei in französischen Überseegebieten rechtlich festschrieb, formell abgeschafft. Dieser symbolische Schritt markiert einen Moment der historischen Aufarbeitung, wird von betroffenen Gemeinschaften und Nachfahren der Versklavten jedoch als unzureichend bewertet. Sie fordern neben Anerkennung des Unrechts vor allem konkrete Maßnahmen gegen die strukturellen Ungleichheiten, die als Erbe dieser Geschichte bis heute fortwirken. Der Vorgang zeigt: Formale Aufarbeitung und gelebte Gerechtigkeit sind zwei sehr verschiedene Dinge – und echte Versöhnung beginnt erst dort, wo Symbole in Taten übergehen.

Die formelle Abschaffung eines Sklavengesetzes zeigt, dass historisches Unrecht auch dann benannt und korrigiert werden muss, wenn es längst faktisch überwunden scheint – weil das Schweigen darüber Strukturen am Leben erhält. Für eine offene Gesellschaft ist die ehrliche Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte keine Pflichtübung, sondern Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe aller. Dieser Schritt kann ermutigen, auch in Deutschland die eigenen blinden Flecken beim Kolonialismus konsequenter anzugehen.

Erinnerungskultur und Demokratie hängen unmittelbar zusammen: Wer Gesetze, die Menschen zum Eigentum anderer erklärten, nicht aktiv aus den Büchern streicht, normalisiert das Unrecht durch Unterlassen. Frankreich setzt hier ein Zeichen, das über Symbolik hinausweisen kann – wenn konkrete Reparationsdebatten folgen. Für Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern ist das eine Einladung zur Selbstbefragung: Welche Gesetze, Strukturen und Narrative tragen wir mit uns, die wir nie ausdrücklich verworfen haben?