Geheimdienstreform: Neue Befugnisse im Notstand kaum geregelt
Wenn Geheimdienste operative Befugnisse erhalten, die bisher der Polizei vorbehalten waren, verschiebt sich die Machtbalance zulasten von Bürgerrechten – besonders in Krisenzeiten, in denen Kontrolle am schwersten durchzusetzen ist. Funktionierende demokratische Gesellschaften brauchen klare Regeln dafür, wer im Notfall welche Macht hat und wie diese kontrolliert wird. Eine schlecht verzahnte Gesetzgebung schafft Graubereiche, die erfahrungsgemäß zu Lasten derjenigen gehen, die ohnehin wenig Lobby haben.
Geheimdienstreformen betreffen Grundrechte aller Bürgerinnen und Bürger, werden aber meist ohne breite gesellschaftliche Debatte beschlossen. Die hier analysierte Lücke zwischen Notstandsverfassung und neuem Nachrichtendienstrecht ist kein technisches Detailproblem, sondern eine demokratische Sollbruchstelle. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Parlamente – auch auf Landesebene – sollten diese Reform aktiv begleiten und auf rechtssichere Formulierungen bestehen.