Güstrower Tafel: Fast 30 Jahre Einsatz gegen wachsende Armut
Tafeln übernehmen dauerhaft Aufgaben, die eigentlich staatliche Sozialsysteme leisten sollten – ihre Existenz zeigt, wo die Grundsicherung an ihre Grenzen stößt. Ehrenamtliches Engagement wie dieses ist unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt in ländlichen Regionen, darf aber nicht als Ersatz für strukturelle Armutspolitik missverstanden werden. Die Arbeit der Güstrower Tafel verdient öffentliche Anerkennung und verlässliche Unterstützung – nicht nur Applaus.
In Mecklenburg-Vorpommern ist Armut kein Randphänomen: Die Region gehört bundesweit zu jenen mit den niedrigsten Einkommen und der höchsten Abhängigkeit von Transferleistungen. Die Güstrower Tafel zeigt, wie zivilgesellschaftliche Strukturen diese Realität jahrzehntelang auffangen – ohne dass das politisch ausreichend gewürdigt oder finanziell abgesichert wird. Andere Landkreise in MV sollten prüfen, wie solche Strukturen gestärkt und vor Überbelastung der Ehrenamtlichen geschützt werden können.