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Monday, 22. June 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Hälfte der Frauen in Teilzeit: Ökonom fordert Gleichstellungswende

Rund die Hälfte der Frauen in Deutschland arbeitet in Teilzeit – häufig nicht aus eigener Wahl, sondern weil Strukturen wie Kitamangel, ungleiche Löhne und überholte Rollenbilder kaum Alternativen lassen. Unbezahlte Sorgearbeit, die überwiegend Frauen schultern, hält Gesellschaft und Wirtschaft am Laufen – bleibt aber in politischen Debatten systematisch unsichtbar. Echter Wandel braucht mehr als Appelle: Er erfordert verlässliche Kinderbetreuung, faire Lohnstrukturen und eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit zwischen allen Geschlechtern. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo DDR-Erfahrungen mit Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen und flächendeckender Kinderbetreuung noch lebendig sind, gibt es konkrete Anknüpfungspunkte für diesen Wandel.

Solange Care-Arbeit strukturell unsichtbar und ökonomisch abgewertet bleibt, reproduziert jede Reformdebatte denselben Fehler: Sie misst Gleichstellung am Arbeitsmarkt, nicht an Lebensrealitäten. Eine offene Gesellschaft braucht Antworten auf die Frage, wer Sorgearbeit trägt – und wie sie endlich fair verteilt und entlohnt wird. Das ist keine Frauenfrage, sondern eine Machtfrage.

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Teilzeitquote bei Frauen besonders im ländlichen Raum hoch – bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Kitaversorgung und geringen Löhnen. Gleichstellung funktioniert hier nur, wenn Infrastruktur mitgedacht wird: Kitas, Nahverkehr, flexible Arbeitszeitmodelle. Die DDR-Erfahrung zeigt, dass Vollzeitarbeit für Frauen möglich ist – wenn der Staat entsprechende Strukturen bereitstellt. Diese Erfahrung fehlt in bundesweiten Debatten fast vollständig.