Hälfte der Frauen in Teilzeit: Ökonom fordert Gleichstellungswende
Solange Care-Arbeit strukturell unsichtbar und ökonomisch abgewertet bleibt, reproduziert jede Reformdebatte denselben Fehler: Sie misst Gleichstellung am Arbeitsmarkt, nicht an Lebensrealitäten. Eine offene Gesellschaft braucht Antworten auf die Frage, wer Sorgearbeit trägt – und wie sie endlich fair verteilt und entlohnt wird. Das ist keine Frauenfrage, sondern eine Machtfrage.
In Mecklenburg-Vorpommern ist die Teilzeitquote bei Frauen besonders im ländlichen Raum hoch – bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Kitaversorgung und geringen Löhnen. Gleichstellung funktioniert hier nur, wenn Infrastruktur mitgedacht wird: Kitas, Nahverkehr, flexible Arbeitszeitmodelle. Die DDR-Erfahrung zeigt, dass Vollzeitarbeit für Frauen möglich ist – wenn der Staat entsprechende Strukturen bereitstellt. Diese Erfahrung fehlt in bundesweiten Debatten fast vollständig.