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Saturday, 19. September 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Historiker Garton Ash: Wie Demokratie die AfD wirklich schlägt

Ein renommierter Demokratieforscher argumentiert, dass weder ein Parteiverbot noch die Anpassung an rechte Positionen die Demokratie wirksam schützen. Stattdessen braucht es eine ernsthafte Stärkung demokratischer Institutionen und zivilgesellschaftlicher Strukturen vor Ort. Für Mecklenburg-Vorpommern heißt das: Die entscheidende Frage ist nicht, wie man die AfD bekämpft, sondern warum so viele Menschen dort das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse von der etablierten Politik ignoriert werden. Wer diese Frage ehrlich beantwortet, kommt an den strukturellen Benachteiligungen des Ostens und fehlenden Beteiligungsmöglichkeiten nicht vorbei.

Eine lebendige Demokratie braucht mehr als Wahlzettel – sie braucht Menschen, die sich gehört fühlen und Vertrauen in Institutionen haben. Wenn ein wachsender Teil der Bevölkerung zu einer Partei greift, die den Rechtsstaat offen herausfordert, ist das ein Signal, das demokratische Gesellschaften ernst nehmen müssen, statt es wegzudefinieren. Wer die Ursachen ignoriert und nur auf Symptome zielt, gefährdet langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für Mecklenburg-Vorpommern ist diese Debatte keine abstrakte Akademikerdiskussion: Die AfD ist hier zweitstärkste Kraft im Landtag und in manchen Wahlkreisen Nummer eins. Garton Ashs Plädoyer für glaubwürdige demokratische Alternativen statt symbolischer Verbots- oder Umarmungsstrategien bietet konkrete Denkansätze für Kommunen, Schulen und Zivilgesellschaft in der Region. Entscheidend bleibt dabei, auch ostdeutsche Erfahrungen – Deindustrialisierung, Abwanderung, politische Unsichtbarkeit – als legitimen Teil der Problemanalyse anzuerkennen.