Jean Ziegler gestorben: Eine unbequeme Stimme schweigt
Jean Ziegler hat jahrzehntelang Fragen gestellt, die unbequem waren: Wer profitiert von einer Weltwirtschaft, in der Menschen an Hunger sterben, obwohl genug Nahrung produziert wird? Diese Fragen sind nicht mit ihm gestorben – sie sind dringender denn je. Für eine offene Gesellschaft braucht es Menschen, die Macht benennen, auch wenn das Konsequenzen hat. Ziegler war ein Vorbild dafür, dass öffentliche Intellektuelle politisch Stellung beziehen können und müssen.
Zieglers Tod regt dazu an, seine Kernthesen neu zu diskutieren: Wie gerecht ist die internationale Wirtschaftsordnung, und welche Rolle spielen europäische Länder dabei? Gerade in Zeiten, in denen soziale Ungleichheit auch in Ostdeutschland und Mecklenburg-Vorpommern spürbar wächst, lohnt es sich, Zieglers Analysewerkzeuge weiterzudenken. Seine Arbeit als UN-Sonderberichterstatter zeigt, dass zivilgesellschaftlicher Druck und kritische Wissenschaft internationale Strukturen verändern können.