Direkt zum Inhalt
minutentakt.
Thursday, 6. August 2026
Ticker
Regional MV

Jugendpsychiatrischer Dienst in Vorpommern-Greifswald gibt auf

Der jugendpsychiatrische Dienst in Vorpommern-Greifswald stellt seine Arbeit ein, weil die Projektförderung ausläuft – und mit ihm eine der wenigen niedrigschwelligen Anlaufstellen für Familien mit psychisch belasteten Kindern in einer Region, die ohnehin unterversorgt ist. Beide Fachkräfte suchen sich bereits neue Stellen, das aufgebaute Vertrauen und die Netzwerke gehen verloren. Jetzt braucht es dringend eine Antwort aus dem Landkreis und vom Land: Wer übernimmt die Verantwortung für diese Familien – und zwar nicht als neues Pilotprojekt, sondern dauerhaft und verlässlich finanziert?

Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen und ihre Familien gehören zu den verletzlichsten Gruppen in einer Gesellschaft. Wenn spezialisierte Unterstützungsangebote allein von befristeter Projektförderung abhängen und dann still verschwinden, offenbart das eine strukturelle Schwäche: Grundversorgung darf nicht von Förderzeiträumen abhängen. Eine offene Gesellschaft misst sich daran, wie sie ihre schwächsten Mitglieder trägt – und der Landkreis Vorpommern-Greifswald verliert hier gerade ein wichtiges Stück dieses Tragnetzes.

Mecklenburg-Vorpommern hat flächendeckend zu wenige Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater. Gerade im ländlichen Vorpommern kann die Wartezeit auf einen Therapieplatz ein Jahr und länger betragen. Der jugendpsychiatrische Dienst war in dieser Lücke ein konkretes, niedrigschwelliges Angebot – und genau solche Angebote braucht die Region dauerhaft, nicht als Modellprojekt. Die entscheidende Frage ist jetzt, ob der Landkreis oder das Land eine Nachfolgelösung aus Eigenmitteln trägt oder ob Familien wieder alleine da stehen.