Kirche gegen AfD: Politisches Engagement oder Grenzüberschreitung?
Wenn Kirchen als eine der letzten flächendeckend organisierten Zivilgesellschaften in ländlichen Regionen wie MV schweigen, verliert die Demokratie eine wichtige Stimme genau dort, wo staatliche Institutionen dünn gesät sind. Die Frage, ob Kirchen politisch sein dürfen, ist letztlich eine Frage darüber, wer in einer Gesellschaft für demokratische Werte einsteht – und wer das Schweigen der anderen nutzt. Gerade in Ostdeutschland, wo Kirchen in der Wendezeit als Schutzräume der Bürgerrechtsbewegung fungierten, hat dieses Engagement eine historische Tiefe, die man nicht ignorieren sollte.
In MV, wo die AfD bei der Landtagswahl 2021 über 17 Prozent holte und weiter zulegt, ist das Engagement der Kirchen keine abstrakte Debatte, sondern konkrete Gegenöffentlichkeit. Kirchengemeinden sind in vielen Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns noch immer Orte, wo Menschen zusammenkommen – das macht sie zu relevanten Akteuren im demokratischen Diskurs. Spannend wäre, welche zivilgesellschaftlichen Strukturen neben den Kirchen diese Funktion übernehmen können, denn auf Dauer braucht Demokratieschutz breitere Schultern als nur die Kirche.