Direkt zum Inhalt
minutentakt.
Friday, 19. June 2026
Ticker
Demokratie & Zivilgesellschaft

Klage gegen App Flo: Wer verdient an intimen Körperdaten?

Die niederländische Organisation Bits of Freedom hat eine Beschwerde gegen die Menstruations-App Flo eingereicht, die über 200.000 Nutzerinnen hochsensible Gesundheitsdaten sammelt, ohne sie ausreichend darüber zu informieren. Eine Befragung von fast 1.500 Nutzerinnen belegt: Die meisten wissen nicht, was mit ihren intimsten Körperdaten passiert. Drei konkrete Vorwürfe stehen im Raum – mangelnde Aufklärung, unwirksame Einwilligung und exzessive Datenspeicherung. Der Fall zeigt, dass digitale Selbstbestimmung kein Luxusproblem ist, sondern eine Frage von Macht: Wer verdient an Daten, die Frauen in einem sehr verletzlichen Bereich ihres Lebens preisgeben?

Menstruationsdaten gehören zum Intimsten, was Menschen über sich preisgeben können – besonders in Zeiten, in denen Reproduktionsrechte politisch unter Druck stehen. Wer diese Daten kontrolliert, hat Macht. Die Beschwerde gegen Flo zeigt, dass zivilgesellschaftliche Organisationen Konzerne zur Verantwortung ziehen können, auch wenn staatliche Aufsichtsbehörden zögerlich agieren. Das stärkt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung für alle, die digitale Gesundheits-Apps nutzen.

Dieser Fall ist kein Einzelfall: Gesundheits-Apps monetarisieren systematisch intime Daten, während Nutzerinnen zwischen Nützlichkeit und Datenschutz wählen müssen – ein strukturell ungleicher Handel. Die Beschwerde könnte Präzedenzwirkung entfalten und europäische Datenschutzbehörden zu klareren Standards zwingen. Für Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gilt dasselbe wie überall: Auch hierzulande nutzen Hunderttausende solche Apps, ohne zu wissen, wer mit ihren Körperdaten Geld verdient.