Mlačićs Tod überschattet Wahlkampfstart in Bosnien
Wie Gesellschaften mit der Erinnerung an Kriegsverbrechen umgehen, entscheidet maßgeblich darüber, ob echte demokratische Konsolidierung gelingt oder Nationalismus weiterhin als politisches Instrument missbraucht wird. Bosniens Wahlen sind ein Stresstest für die Fähigkeit post-konfliktbetroffener Gesellschaften, über Vergangenheitsbewältigung hinaus zukunftsorientierte Politik zu gestalten. Für die offene Gesellschaft in Europa ist dieses Beispiel ein Warnsignal, wie unverarbeitete Geschichte demokratische Räume blockieren kann.
Der Wahlkampfstart in Bosnien zeigt exemplarisch, wie die Instrumentalisierung von Kriegserinnerung demokratische Erneuerung verhindert. Europa und die EU stehen vor der Frage, welche konkreten Bedingungen und Anreize sie setzen müssen, um Bosniens EU-Annäherung an substanzielle Reformen zu knüpfen. Für die internationale Gemeinschaft und zivilgesellschaftliche Akteure ergibt sich die Aufgabe, lokale reformorientierte Kräfte sichtbarer zu machen und zu stärken.