Mladić tot – doch sein Erbe belastet Bosnien weiterhin
Die anhaltende Verherrlichung von Kriegsverbrechern zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Gesellschaften historische Gräueltaten nicht konsequent aufarbeiten. Für eine offene Gesellschaft ist die Auseinandersetzung mit Völkermord und ethnischer Säuberung unverzichtbar – sie schützt vor der Wiederkehr menschenverachtender Ideologien. Das Beispiel Bosnien mahnt Europa, Geschichtsverdrehung und Nationalismus entschlossen entgegenzutreten.
Mladićs Tod schließt ein Kapitel der juristischen Aufarbeitung des Jugoslawienkriegs, löst jedoch nicht die tiefergehende gesellschaftliche Spaltung. Die internationale Gemeinschaft und zivilgesellschaftliche Organisationen stehen vor der Aufgabe, Erinnerungskultur und Versöhnungsprozesse auf dem Westbalkan aktiv zu fördern. Für Europa ist dies auch eine Frage der eigenen Glaubwürdigkeit beim Einsatz für Menschenrechte und Demokratie. Bildungsinitiativen und eine starke Zivilgesellschaft sind entscheidend, damit kommende Generationen Völkermord nicht relativieren.