NATO-Vize: Europa übernimmt mehr Verantwortung für eigene Verteidigung
Die Neuausrichtung der NATO-Lastenteilung betrifft unmittelbar die Sicherheitsarchitektur Europas und damit auch die demokratischen Gesellschaften, die auf kollektive Verteidigung angewiesen sind. Eine stärkere europäische Eigenverantwortung kann langfristig die strategische Souveränität des Kontinents erhöhen und die Abhängigkeit von wechselnden US-Regierungen verringern. Dies ist für offene Gesellschaften relevant, weil stabile Sicherheitsstrukturen Grundvoraussetzung für demokratische Entwicklung und zivile Freiheiten sind.
Für Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern als Bundesland mit NATO-Infrastruktur und Ostsee-Außengrenze hat die Debatte über europäische Verteidigungsverantwortung konkrete Konsequenzen. Ein „NATO 3.0" mit stärker europäisch getragenem Konventionalschutz bedeutet höhere Verteidigungsausgaben und möglicherweise veränderte Stationierungskonzepte auch im Norden Deutschlands. Die Frage, wann Europa eigenständig zur Abschreckung beitragen kann, wird in den nächsten Jahren politisch und haushaltspolitisch zentral.