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Thursday, 17. September 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Neubauer macht NS-Vergangenheit in Familie öffentlich

Luisa Neubauer hat öffentlich gemacht, dass ihr Urgroßvater Mitglied der Waffen-SS war, und verknüpft dieses persönliche Eingeständnis mit einer Warnung vor aktuellen faschistischen Tendenzen. Ihr Schritt zeigt, dass aktive Erinnerungsarbeit nicht bei Gedenkveranstaltungen endet, sondern im eigenen Familiengedächtnis beginnen kann. Besonders Menschen mit öffentlicher Reichweite können durch solche Offenheit andere ermutigen, die eigene Familiengeschichte kritisch zu hinterfragen. Dieser Ansatz stärkt eine demokratische Erinnerungskultur, die nicht verwaltet, sondern gelebt wird.

Wer die eigene Familiengeschichte öffentlich aufarbeitet, leistet einen konkreten Beitrag zur demokratischen Erinnerungskultur – das stärkt das gesellschaftliche Immunsystem gegen Verharmlosung und Wiederholung. Gerade in einer Zeit, in der rechtsextreme Parteien in Parlamenten sitzen und NS-Relativierung salonfähig wird, ist diese Form von Zivilcourage keine Selbstverständlichkeit. Sie schafft einen Raum, in dem andere ermutigt werden, ähnliche Fragen in der eigenen Familie zu stellen.

Erinnerungskultur als demokratisches Werkzeug ist in Ostdeutschland besonders vielschichtig: Wer in der DDR aufgewachsen ist, kennt eine staatlich verordnete Antifaschismus-Erzählung, die persönliche Schuld systematisch ausgeblendet hat. Die Frage, welche Familien tatsächlich in NS-Strukturen verstrickt waren, wurde selten individuell gestellt – das gilt für Ost wie West. Neubauers Schritt zeigt, dass öffentliche Aufarbeitung möglich ist und dass sie politische Wirkung entfalten kann, wenn sie ehrlich und konkret bleibt.