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Thursday, 24. September 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Ost-West-Spaltung: Identität als politisches Instrument?

Die These, ostdeutsche Identität sei nachträglich politisch konstruiert worden, verkennt die realen Transformationserfahrungen von Millionen Menschen: Massenarbeitslosigkeit, Entwertung von Biographien und das Gefühl, im eigenen Land fremd zu sein, entstanden nicht durch politische Narrative, sondern durch konkrete Lebenswirklichkeit. Wer kollektive Erfahrungen als bloßes Instrument von Parteien abtut, macht genau das, was Ostdeutsche zu Recht kritisieren: unsichtbar gemacht werden. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: Statt über die Echtheit ostdeutscher Identität zu streiten, wäre es produktiver zu fragen, warum strukturelle Ungleichheiten zwischen Ost und West bis heute fortbestehen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht durch Deutungshoheit von oben, sondern durch ehrliche Anerkennung unterschiedlicher Erfahrungen.

Die Frage, ob ostdeutsche Identität gelebte Erfahrung oder politische Konstruktion ist, berührt den demokratischen Diskurs direkt: Wer die Legitimität von Benachteiligungsgefühlen bestreitet, riskiert, echte strukturelle Ungleichheiten zu verschleiern. Eine offene Gesellschaft braucht Raum für verschiedene Herkunftserfahrungen, ohne dass diese von Parteien instrumentalisiert oder pauschal delegitimiert werden. Der gesellschaftliche Mehrwert liegt in einer ehrlichen, machtbewussten Debatte darüber, wessen Stimmen in der deutschen Einheitsgeschichte gehört wurden – und wessen nicht.

Teuebergs Analyse trifft in MV auf eine Region, in der Parteien wie AfD und BSW seit Jahren mit Ost-Narrativen punkten. Statt die Frage nur durch eine West-Brille zu beantworten, braucht es Räume für ostdeutsche Bürgerrechtsperspektiven, die weder von rechten Parteien vereinnahmt noch von liberalen Bundestagspolitikerinnen wegerklärt werden. Demokratieförderung in MV bedeutet: lokale Erinnerungsarbeit stärken, Transformationserfahrungen sichtbar machen und zivilgesellschaftliche Akteure vor Ort einbeziehen.