Direkt zum Inhalt
minutentakt.
Monday, 22. June 2026
Ticker
Regional MV

Ostsee-Schutzzonen: Zwischen Artenschutz und Fischereiexistenz

Neue EU-Schutzzonen in der Ostsee sollen Ökosysteme und Artenvielfalt sichern – doch für Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern bedeuten die Fangverbote eine handfeste Existenzbedrohung. Die mehrheitliche Zustimmung der Öffentlichkeit zu den Schutzzonen löst noch keine einzige Frage danach, wie betroffene Familien ihre Betriebe und Lebensunterhalt erhalten sollen. Konkrete Unterstützungsprogramme, Umstiegsangebote und eine ehrliche Beteiligung der Fischer vor Ort wären jetzt das Mindeste – nicht erst nach der nächsten Pressemitteilung aus Brüssel.

Eine gesunde Ostsee ist langfristig auch die Grundlage für Fischerei, Tourismus und Lebensqualität an der Küste – dieser Zusammenhang wird im Alltag der betroffenen Fischer oft zu abstrakt kommuniziert. Wer Schutzzonen will, muss gleichzeitig ehrlich fragen, wie die Menschen, die davon direkt betroffen sind, ihren Lebensunterhalt sichern sollen. Ohne soziale Abfederung und echte Beteiligung der Berufsgruppe riskiert auch gut gemeinter Naturschutz gesellschaftliche Spaltung statt Zusammenhalt.

Für Nordwestmecklenburg ist das kein abstraktes EU-Thema: Küstenfischer, die seit Generationen von der Ostsee leben, stehen vor konkreten Einkommensverlusten. Die Frage ist nicht ob Schutz, sondern wie Schutz – und wer die Kosten trägt. Hier braucht es regionale Überbrückungsprogramme, Umschulungsangebote und eine Beteiligung der Fischer an der Ausgestaltung der Schutzzonen, damit aus einem Umweltschutzkonzept kein Strukturbruch für die Küstenregion wird.