Potsdam erforscht Diskriminierung queerer Menschen
Wenn Kommunen Diskriminierung nicht nur benennen, sondern wissenschaftlich erfassen, entsteht die Grundlage für wirksame Politik statt symbolischer Gesten. Queere Menschen in ostdeutschen Städten erleben häufig eine Schere zwischen Sichtbarkeit in Großstädten und Unsichtbarkeit auf dem Land – eine Studie kann diesen Graben sichtbar machen. Das Potsdamer Modell zeigt: Gleichberechtigung braucht Daten, und Daten brauchen den politischen Willen, sie zu erheben.
Für Mecklenburg-Vorpommern ist das ein direkter Anstoß zur Frage, warum ähnliche Studien in Rostock, Schwerin oder Greifswald bislang fehlen. Queere Menschen in strukturschwachen Regionen sind doppelt unsichtbar – als Minderheit und als Menschen ohne städtische Infrastruktur wie Beratungsstellen oder queere Zentren. Kommunen, die ihre Antidiskriminierungsarbeit auf Evidenz stellen wollen, haben in Potsdam nun ein konkretes Vorbild. Die Frage ist, welche Verwaltungen in MV bereit sind, diesen Schritt zu gehen.