Soziale-Medien-Verbot für Jugendliche: Schutz oder Kontrollverlust?
Gesetze, die gut gemeint sind, aber Grundrechte einschränken, sind keine Seltenheit – und sie treffen fast immer zuerst jene, die ohnehin weniger Lobby haben. Jugendliche aus marginalisierten Gruppen finden in Online-Communities oft Rückhalt, den sie offline nicht bekommen. Wer ihnen diesen Zugang nimmt, nimmt ihnen Schutzräume, keine Gefahren. Außerdem zeigt das Beispiel, wie Datenschutz und Meinungsfreiheit untrennbar zusammenhängen: Wer Altersverifizierung fordert, schafft zwangsläufig neue Überwachungsinfrastruktur.
Was in Kalifornien debattiert wird, landet früher oder später in Brüssel und Berlin. Europa diskutiert ähnliche Maßnahmen unter dem Digital Services Act, und auch deutsche Bundesländer prüfen Altersgrenzen für Plattformdienste. Die zentrale Frage lautet: Wer entscheidet, wie Jugendliche das Netz nutzen dürfen – und wer trägt die Konsequenzen? Ein konstruktiver Ansatz wäre Medienkompetenzbildung statt Verbote, kombiniert mit echter Datenschutzgesetzgebung, die Big Tech in die Pflicht nimmt, anstatt Nutzerinnen und Nutzer zu überwachen.