Tunesien: Journalist droht lebenslange Haft wegen Quellenrecherche
Wenn Staaten journalistische Standardmethoden wie Quellenverifizierung mit Terrorismusgesetzen kriminalisieren, greifen sie das Fundament einer freien Öffentlichkeit an. Pressefreiheit ist keine Spezialität demokratischer Luxusgesellschaften, sondern eine Schutzinfrastruktur für alle Menschen, die wissen wollen, was in ihrem Namen geschieht. Solche Fälle zeigen, wie schnell Zeugen zu Verdächtigen werden, wenn Regierungen investigativen Journalismus als Bedrohung wahrnehmen.
Der Fall el-Heni steht stellvertretend für einen globalen Trend: Antiterrorgesetze werden zunehmend genutzt, um kritische Journalist:innen dauerhaft zum Schweigen zu bringen. Tunesien, das nach dem Arabischen Frühling als demokratische Hoffnung galt, hat sich unter Präsident Saied zu einem Land entwickelt, in dem unabhängige Berichterstattung mit Gefängnis bestraft wird. Für Demokratieverteidiger:innen weltweit – auch in Deutschland – ist dies ein klares Signal: Internationale Solidarität mit verfolgten Journalist:innen ist kein Luxus, sondern praktische Demokratiearbeit.