Tunesien verurteilt Kommentatorin Sonia Dahmani erneut
Wenn ein Staat Anwältinnen und Journalistinnen mit Cybergesetzen zum Schweigen bringt, schrumpft der Raum für alle, die Missstände benennen – das betrifft letztlich jede offene Gesellschaft. Der Fall Dahmani zeigt, wie schnell Pressefreiheit durch scheinbar neutrale Gesetze ausgehöhlt werden kann, ohne dass Zensur auch nur einmal ausgesprochen werden muss. Für Europa ist Tunesien kein fernes Beispiel: Was dort mit Dekretgesetzen geschieht, kennen Menschen aus autoritären Gesellschaften auch aus eigener Geschichte.
Der Fall steht exemplarisch für eine globale Tendenz, Kritiker über Cyberkriminalitätsgesetze strafrechtlich zu verfolgen statt über klassische Pressezensur – eine Methode, die schwerer angreifbar und international schwerer zu verurteilen ist. Für zivilgesellschaftliche Akteure in Deutschland und MV zeigt das: Internationale Solidaritätsnetzwerke wie CPJ sind entscheidend, um solche Muster sichtbar zu machen und Druck auf Regierungen aufzubauen. Übertragbar ist vor allem die Frage, welche gesetzlichen Instrumente hierzulande kritische Berichterstattung strukturell erschweren könnten.