Ungarn: Ermittlungen wegen 80-Milliarden-Affäre um Atomkraft Paks 2
Wenn staatliche Stellen trotz eindeutiger EuGH-Entscheidung Milliarden an russische Staatsunternehmen überweisen, ist das kein Verwaltungsfehler – das ist eine politische Entscheidung mit Konsequenzen für alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in der EU. Das Verfahren zeigt, dass zivilgesellschaftlicher Druck und hartnäckige Anzeigen auch in Systemen mit geschwächter Justiz Wirkung entfalten können. Für eine offene Gesellschaft ist relevant, dass Rechtstaatlichkeit nicht verhandelbar ist – auch dann nicht, wenn mächtige Regierungen glauben, über EU-Recht hinwegsehen zu können.
Dieser Fall ist ein Lackmustest für die Durchsetzungsfähigkeit europäischen Rechts gegenüber nationalen Regierungen, die sich dem entziehen wollen. Wenn selbst ungarische Ermittlungsbehörden – trotz jahrelanger Abhängigkeit von der Orbán-Regierung – nun tätig werden, ist das ein Signal, dass sich Machtstrukturen verschieben. Für die EU und für Demokratiebewegungen in Mittelosteuropa ist das ein wichtiger Präzedenzfall: Wer öffentliche Gelder unter Verletzung von EU-Recht in autoritäre Richtung lenkt, kann dafür zur Rechenschaft gezogen werden.