Ungarn: Verdacht auf Scheinverein – 150 Mio. Forint für Fidesz-Politiker
Wenn öffentliche Gelder an Scheinorganisationen fließen, fehlen sie dort, wo sie gebraucht werden – bei echter Zivilgesellschaft, bei Bildung, bei Menschen ohne Lobby. Der Fall illustriert ein strukturelles Problem in Ungarn: Staatliche Fördermittel werden über formell unabhängige Vereine als verlängerter Arm politischer Macht genutzt. Für eine offene Gesellschaft ist unabhängiger investigativer Journalismus, der solche Muster aufdeckt, unverzichtbar.
Dieser Fall steht exemplarisch für den Demokratieabbau in EU-Mitgliedsstaaten, der auch europäische Haushaltsmittel betrifft. Die EU-Kommission ringt seit Jahren darum, Ungarn bei der Auszahlung von Strukturfonds rechtsstaatliche Bedingungen aufzuerlegen – mit mäßigem Erfolg. Investigative Medien wie 444.hu übernehmen dabei die Kontrollfunktion, die staatliche Aufsichtsbehörden nicht mehr wahrnehmen. Das ist eine Warnung: Wo Zivilgesellschaft und freie Presse unter Druck geraten, folgt die Korruption.