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Monday, 22. June 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Wer darf Ostdeutschsein definieren? Heimat als Kampfbegriff

In Teilen Ostdeutschlands wird Identität zunehmend politisch vereinnahmt: Die AfD bedient ein Bild vom 'echten Ostdeutschen', das auf Nostalgie und Abgrenzung setzt und damit andere Lebensrealitäten unsichtbar macht. Wer aufgewachsen ist mit Bürgerrechtsbewegung, Vielfalt und dem Wunsch nach echter Mitbestimmung, erkennt sich in diesem Zerrbild nicht wieder. Zivilgesellschaftliche Gruppen arbeiten daran, das Bild des Ostens zurückzugewinnen – als Ort mit widersprüchlichen, aber echten Erfahrungen. Genau das braucht es: Räume, in denen ostdeutsche Identität nicht von oben oder von rechts definiert wird, sondern von den Menschen selbst.

Wenn eine politische Kraft das Monopol auf ostdeutsche Identität beansprucht, werden Millionen Menschen unsichtbar gemacht, die den Osten anders erlebt haben und anders leben. Die Frage, wer Heimat definiert, ist immer auch eine Machtfrage – und sie entscheidet darüber, wer dazugehört und wer ausgeschlossen wird. Eine offene Gesellschaft braucht viele Erzählungen vom Osten, nicht nur eine.

Mecklenburg-Vorpommern kennt diese Dynamik aus eigener Erfahrung: Landflucht, AfD-Hochburgen, das Gefühl abgehängt zu sein – all das schafft Boden für Identitätsangebote, die Einheit vortäuschen, wo eigentlich Vielfalt wäre. Demokratische Zivilgesellschaft in MV kann dem begegnen, indem sie ostdeutsche Biografien sichtbar macht, die nicht ins neue Stereotyp passen – Bürgerrechtlerinnen, queere Menschen, Zuwanderer, engagierte Kommunalpolitikerinnen. Wer die Deutungshoheit über die eigene Geschichte zurückgewinnen will, muss selbst anfangen zu erzählen.