„Zweifelssohn": Literatur als Antwort auf den Rechtsruck
Romane, die politische Gegenwart aus marginalisierten Perspektiven erzählen, leisten etwas, das Leitartikel nicht können: Sie machen abstrakte Bedrohungen für Demokratie emotional erfahrbar. Czolleks Arbeit stärkt den gesellschaftlichen Diskurs, indem sie jüdische Gegenwartserfahrungen in Deutschland sichtbar macht – Stimmen, die im öffentlichen Raum noch immer zu oft überhört werden. Das ist keine Nischenliteratur, sondern ein Beitrag zur Selbstverständigung einer Gesellschaft unter Druck.
In Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD bei den letzten Wahlen überdurchschnittlich stark abgeschnitten hat, ist ein Roman wie „Zweifelssohn" mehr als Kulturware. Er bietet Lese- und Diskussionsräume für Menschen, die die eigene Umgebung kaum noch wiedererkennen. Bibliotheken, Schulen und zivilgesellschaftliche Gruppen könnten dieses Buch als Gesprächsanlass nutzen – gerade dort, wo Schweigen zur Gewohnheit geworden ist.